Kooperation mit Schulen

Schnupperkurs für Schüler*innen und Schüler am 14. Juni 2019

Der Stoff, aus dem die Menschen sind.

Experimentelle Altertumskunde an der Schnittstelle zwischen

Geistes- und Naturwissenschaft(en)

Mitwirkende

Im Rahmen des als praktischen Workshop gestalteten Schnupperkurses gehen Schüler*innen der SK II des Kurfürst-Salentin-Gymnasium in Andernach gemeinsam mit Wissenschaftler*innen und fortgeschrittenen Studierenden sowie einer Keramikerin verschiedenen Forschungsfragen nach, bei denen geistes- und naturwissenschaftliche Untersuchungsmethoden miteinander verknüpft werden. Konkret geht es dabei sowohl um die praktische Seite (Werkprozesse: technische und wirtschaftliche Aspekte) der Verwendung von Ton zur Herstellung von Schrifttafeln sowie Gefäßen als auch um die zeichenhafte Bedeutung dieses Materials im Kontext antiker Medien- und Wertdiskurse.

Beteiligt am Schnupperkurs sind die Arbeitsbereiche Altorientalische Philologie und Klassische Archäologie des IAW, das NatLab der JGU sowie der Kompetenzbereich »Experimentelle Archäologie« des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz (Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie).

Inhalt

Gemäß altorientalischer wie auch griechisch-römischer Mythenvorstellungen wurden die ersten Menschen aus Ton gefertigt. Der Werkstoff war im gesamten Altertum kulturübergreifend von hoher alltäglicher Bedeutung und entsprechend weit verbreitet. Tönerne Artefakte bilden daher die zahlenmäßig größte Gruppe der antiken materiellen Hinterlassenschaften, stellen somit eine der wichtigsten Quellengattungen zur Rekonstruktion unterschiedlicher Teilbereiche der Kulturgeschichte der Alten Welt dar. Diese semantische Vielschichtigkeit macht das Material Ton zu einem idealen Untersuchungs-/Darstellungsgegenstand für interdisziplinäre universitäre Lehre und Forschung sowie für damit zusammenhängende Vermittlungsprojekte.

Durch diese bislang in einer solchen Kooperation noch nicht existierenden Zusammenarbeit im Bereich von Cultural Studies einerseits und Material Science andererseits erhalten die Schüler*innen einen besonderen Einblick in die interdisziplinären Möglichkeiten eines Studiums der Altertumswissenschaften an der JGU Mainz.

Dem Arbeitsbereich Klassische Archäologie ist die Kooperation mit Schulen bereits seit Längerem ein besonderes Anliegen. Zu diesem Zweck wurde auf seine Initiative hin das

Mainzer Altertumswissenschaftliche Netzwerk Universität Schule (MANUS)

gegründet.

Mit diesem Projekt wird das Ziel verfolgt, altertumswissenschaftliche - speziell archäologische - Forschung sinnvoll in den Schulunterricht zu integrieren. Ausgehend von den lokal vorhandenen Beständen der klassisch-archäologischen Lehrsammlungen werden Lehreinheiten entwickelt, die sowohl im schulischen als auch außerschulischen Unterricht eingesetzt werden können.

Diese Lehreinheiten orientieren sich an den rheinland-pfälzischen Lehrplänen für den altsprachlichen, historischen und künstlerischen Unterricht und sind als thematisch weiterführende Bausteine konzipiert.
Das Hauptaugenmerk liegt dabei in Ergänzung zu den normalerweise im Schulunterricht vermittelten sprachlichen Kompetenzen auf dem Bereich des Visuellen.

Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten sich einen neuen Erfahrungsbereich, indem sie an „begreifbaren” Fallbeispielen sowohl den historischen Zeugniswert materieller Objekte und bildlicher Darstellungen kritisch zu hinterfragen als auch zugleich deren gewinnbringende Verwendung zur Rekonstruktion von (Kultur)geschichte erproben lernen. Der Terminus „Begreifen” ist dabei im Sinne Johann Gottfried Herders durchaus wörtlich gemeint und schafft einen Gegenpol zu einem rein virtuellen Lernumfeld.

Zudem ermöglicht die Analyse historischer Bildproduktionen die Entwicklung einer kritischen Distanz zur eigenen Bildproduktion der Generation Selfie und trägt damit erheblich zur Ausbildung einer entsprechenden visuellen Kompetenz bei, die im Kontext von bildgesteuerten Manipulationen jedweder Art (Werbung, Fake News) von besonderer Aktualität ist.

Das thematische Spektrum ist bereits recht weit gefasst (s. hierzu die Lesehinweise) und wird ständig ergänzt. Dabei kann auch auf die individuellen Anforderungen einzelner Schulklassen Rücksicht genommen werden. Ebenso sind Besuche vor Ort, d.h. Präsentationen von Originalobjekten direkt im Schulunterricht möglich.

Lesehinweise

P. Schollmeyer: Die Sammlungen des Instituts für Klassische Archäologie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, in: F. M. Müller (Hrsg.), Archäologische Universitätsmuseen und -sammlungen im Spannungsfeld von Forschung, Lehre und Öffentlichkeit, Tagungsband Innsbruck 2010 (2013) S. 417-428.

Ders.: Fallbeispiele archäologischer Bildbetrachtungen, in: Der Altsprachliche Unterricht. Latein - Griechisch, Heft 2+3 (2014) S. 2-17.

Ders.: Wissenschaft und Vermittlung. Der Blick auf die Dinge und die Schule des Sehens, in: Blickpunkt Archäologie, Heft 4 (2016) S. 245-252.

Ders.: Archäologie für Schülerinnen und Schüler - Aktivitäten des Mainzer Altertumswissenschaftlichen Netzwerks Universität Schule [MANUS], in: Scrinium. Alte Sprachen in Rheinland-Pfalz und im Saarland, 2017 (im Druck).